Agentenbasierte Modellierung: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 3. Februar 2026, 16:08 Uhr
Kurzbeschriebung
Agentenbasierte Modellierung (Agent-Based Modeling, ABM) ist ein mechanistischer Simulationsansatz, bei dem ein System als Menge autonomer, interagierender Agenten beschrieben wird. Jeder Agent folgt einfachen, lokal definierten Regeln, während das globale Systemverhalten emergent aus den vielen Einzelinteraktionen entsteht.
Agenten können Individuen, Haushalte, Organisationen oder technische Einheiten repräsentieren und besitzen interne Zustände (z. B. Gesundheit, Verhalten, Ressourcen). Interaktionen erfolgen über Kontaktregeln, Netzwerke oder räumliche Umgebungen; Dynamiken können deterministisch oder stochastisch sein.
Formal wird kein geschlossenes Gleichungssystem gelöst; stattdessen wird der Systemzustand iterativ aktualisiert. Zufällige Ereignisse werden häufig über Monte-Carlo-Mechanismen implementiert. Dadurch lassen sich Heterogenität, Nichtlinearität und Rückkopplungen explizit abbilden.
ABM eignet sich besonders zur Untersuchung von Was-wäre-wenn-Szenarien, Verhaltensänderungen und Policy-Interventionen. Die Kehrseite ist der hohe Rechenaufwand sowie die anspruchsvolle Kalibration und Validierung solcher Modelle.
Anwendbarkeit im Gesundheitssektor
Im Gesundheitswesen und Public Health werden agentenbasierte Modelle eingesetzt, um Infektionsdynamiken auf Individualebene zu simulieren, etwa unter Berücksichtigung von Kontaktmustern, Mobilität, Altersstrukturen oder individuellen Verhaltensänderungen. Sie sind besonders geeignet, um nichtlineare Effekte wie Superspreading oder lokale Ausbrüche zu untersuchen.
Darüber hinaus dienen ABMs der politiknahen Entscheidungsunterstützung, z. B. zur Bewertung von Impfstrategien, Test- und Isolationsmaßnahmen oder Schul- und Arbeitsplatzinterventionen. Ihre Stärke liegt in der realitätsnahen Abbildung komplexer Systeme; ihre Ergebnisse sind jedoch stärker annahmenabhängig als bei einfacheren Modellen.
Sonstiges
Sehr flexibel, aber rechenintensiv
Kalibration und Reproduzierbarkeit herausfordernd
Gut kombinierbar mit Metapopulations- und Netzwerkmodellen
Semantik
Wikidata-Identifikator ist: Q392811
Deutsche Wikipediaseite ist: Agentenbasierte_Modellierung
Englische Wikipediaseite ist: Agent-based_model
Quelle: Bonabeau (2002), Agent-based modeling: Methods and techniques for simulating human systems
Behandlung von Unsicherheit in den Ergebnissen der Methode ist explizit
Für die Methode benötigte Datenmenge ist groß
Zweck der Methode ist Simulation, Voraussage
Methode ist Mitglied der Methodenfamilie Mechanistisch, Simulation, Hybrid
Interpretierbarkeit der Ergebnisse der Methode ist mittel
Webseite: https://ccl.northwestern.edu/netlogo/